Titelbild zum RodneyLogan Artikel „Warum mein Kopf niemals still ist – Wie ADHS meine Kreativität beeinflusst“ mit abstrakter Gehirn-Visualisierung auf schwarzem Hintergrund.

Warum mein Kopf niemals still ist - Wie ADHS Kreativität beeinflusst

Vielleicht erklärt ADHS meinen Perfektionismus

Je älter ich werde (und ich fühle mich an manchen Tagen wirklich alt), desto häufiger denke ich über eine Sache nach:

Vielleicht hängt mein kompletter Perfektionismus stärker mit ADHS zusammen, als ich früher dachte.

Und nein, damit meine ich nicht dieses TikTok-„Haha ich bin so random“-ADHS, das mittlerweile gefühlt jeder zweite Content Creator plötzlich für sich entdeckt hat.

Ich rede von echtem Chaos im Kopf...von 100 Gedanken gleichzeitig, ständiger Reizüberflutung und Hyperfokus bei den banalsten Dingen.

Das Gefühl ein Gehirn zu haben, dass sich wie ein falsch eingestellter Motor verhält, nämlich ständig am Überdrehen.

ADHS bedeutet nicht automatisch nur Unruhe

Viele Menschen denken bei ADHS immer noch sofort an:

„Kann nicht still sitzen.“ Dabei ist das Thema deutlich komplexer.

Gerade bei Erwachsenen zeigt sich ADHS oft komplett anders.

Viele Betroffene kämpfen eher mit:

- Reizüberflutung
- emotionalem Chaos
- extremem Overthinking
- Konzentrationsproblemen
- Hyperfokus
- oder permanenter innerer Unruhe

Und manchmal eben auch mit Perfektionismus.

Beziehungsweise, it diesem ständigen Gefühl, dass etwas einfach noch nicht „richtig“ oder gut genug ist.

Falls euch das Thema generell interessiert oder ihr selbst betroffen seid, kann ich euch übrigens die Seite von ADHS Deutschland e.V. empfehlen. Dort findet ihr Informationen, Hilfe und auch Selbsthilfegruppen für Betroffene und Angehörige.

Hyperfokus ist Fluch und Superkraft gleichzeitig

Das ist vermutlich einer der Punkte, die meinen Designprozess am meisten beeinflussen.

Wenn mich ein Motiv wirklich packt, verliere ich komplett das Zeitgefühl. Dann sitze ich plötzlich stundenlang vor Photoshop und merke erst irgendwann:

„Ach du Scheiße…es ist einfach mitten in der Nacht.“

Dieser Hyperfokus ist bei ADHS tatsächlich ziemlich bekannt, manche Menschen können sich bei Themen, die sie wirklich interessieren, extrem intensiv konzentrieren.

Das Problem dabei: Man kann oft nicht aufhören.

Ein Beispiel: Vor einiger Zeit habe ich mir den riesigen Millenium Falcon aus LEGO gegönnt, mit knapp 7500 Teilen. Klingt erstmal nice, aber beim Bauen baute sich bei mir so ein Hyperfocus auf, dass ich ich nicht loslassen konnte und morgens zwischen LEGO-Steinen aufgewacht bin. Als er irgendwann fertig war, sah er unglaublich schön aus, aber viel wichtiger für mich in diesem Moment war die "Erlösung" fertig zu sein.

Und genau dadurch entsteht schnell dieser Perfektionismus.

Man verschiebt noch eine Ebene, ändert nochmal eine Farbe, probiert dieses oder jenes aus und plötzlich arbeitet man drei Stunden an einem Detail, das vermutlich kein Mensch jemals bemerken würde.

Warum viele Menschen mit ADHS versuchen Kontrolle zu schaffen

Das fand ich irgendwann extrem interessant.

Viele Menschen mit ADHS versuchen unbewusst, Chaos durch Kontrolle auszugleichen, aber genau dort kann Perfektionismus entstehen.

Zumindest erklärt das für mich persönlich ziemlich viel.

Denn mein Kopf fühlt sich oft an wie:

20 offene Tabs gleichzeitig.
...3 Songs parallel
...und irgendwo schreit noch Photoshop nach mir im Hintergrund.

Vielleicht versuche ich deshalb automatisch, zumindest beim fertigen Motiv irgendwann dieses Gefühl von „Jetzt passt es“ zu erreichen.

ADHS macht kreative Prozesse manchmal extrem anstrengend

Was viele nicht sehen:

Kreativität klingt oft romantischer als sie eigentlich ist, aber gerade mit ADHS kann kreatives Arbeiten extrem chaotisch werden.

Es gibt Tage, da entstehen plötzlich fünf Ideen gleichzeitig und an anderen Tagen starrt man stundenlang auf den Bildschirm und bekommt absolut nichts hin.

Dieses Hin und Her kann mental extrem anstrengend sein.

Vor allem wenn der eigene Kopf permanent zwischen „Das wird krank“ und „Das ist kompletter Müll" wechselt.

Vielleicht erklärt das auch, warum ich so viele Motive lösche

Ganz ehrlich, wahrscheinlich ja.

Weil ich Dinge unglaublich schnell überdenke. Manchmal schaue ich ein Motiv an und finde es erst stark…nur um es zehn Minuten später plötzlich komplett zu hassen.

Klingt maximal anstrengend. Ist es auch.

Aber gleichzeitig sorgt genau das vermutlich auch dafür, dass RodneyLogan überhaupt so geworden ist wie es heute ist.

ADHS ist keine „Kreativitäts-Superkraft“

Das ist mir wichtig zu sagen.

Im Internet wird ADHS mittlerweile oft fast schon romantisiert. Frei nach dem Motto:

„ADHS macht dich automatisch kreativ.“

So einfach ist das nicht.

ADHS kann extrem belastend sein.

Gerade emotionale Dysregulation, ständige Reizüberflutung, Stressintoleranz,
oder dieses permanente Gedankenchaos können unglaublich anstrengend und belastend werden.

Aber, vielleicht lernt man irgendwann einfach, bestimmte Teile davon kreativ zu nutzen...

...und vielleicht ist genau das am Ende auch der Grund, warum RodneyLogan überhaupt so aussieht wie RodneyLogan aussieht.

Vielen Dank fürs Lesen,

dein Rodney

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